Duplicate entry '54.146.28.90-2017-06-23' for key 'ip' Auf-dem-Weg | Jakobsweg 2009

Auf-dem-Weg

Jakobsweg 2009

Solange und Rolf waren so optimistisch, im Jahr 2009 das Endziel, die Kathedrale von Santiago de Compostella, zu schaffen. Zu laufen waren ausgehend von Santander, dem Ende unserer vorjährigen Etappe, diesmal bis Santiago ca. 550 km und weiter bis zum Cap Fisterre am Atlantik nochmal 90 km.

                            

Unsere vierte und letzte Etappe auf dem historischen Jakobsweg sollte am 29. August 2009 anfangen und  am 03. Oktober 2009 aufhören.

    

Es sollte wirklich am Samstag, den 29. August losgehen. Aber es kam nicht dazu.

Solange wurde am Tag vor dem Abflug nach Bilbao mit dem Fahrrad von einem Auto angefahren
und stürzte auf ihr linkes Handgelenk. Einer der Handwurzelknochen, der Scaphoid, war gebrochen und musste operiert werden.

So träumten wir in diesem Jahr nur von unserem Weg.

     

Nicht ganz !
                                                                     ***


In den letzten Tagen des Jahres 2009 waren wir in Paris und fuhren dann mit der Bahn dann doch noch zu einer der wichtigsten Stätte der französischen Jakobswege, der mittelalterlichen Kathedrale von Chartres aus dem 12. Jahrhundert. 
Durch dieses wunderbare gotische Bauwerk wurden wir für den entgangenen Jakobsweg etwas entschädigt.

Louis Charpentier hat 1972 in seinem Buch "Die Geheimnisse der Kathedrale von Chartres" geschrieben:

                             

"Um 1130 tritt die Gothik plötzlich in Erscheinung. ohne Vorläufer, ausgereift, vollendet schon im Entstehen. Sie bedarf keiner Versuche, keiner Mißerfolge; in wenigen Jahren erreciht sie ihre Blüte. Merkwürdig allerdings, daß sich plötzlich Baumeister, Bauleute und Handwerker genug finden, um in weniger als einhundert Jahren über achtzig gewaltige Bauwerke zu erstellen."

Unter ihnen die Marienkirchen Frankreichs des 12. und 13. Jahrhunderts, die auf dem Erdboden fast genau die Konstellation des Sternbildes der Jungfrau abbilden:
                   
  
               

                    Westfassade mit einer der drei berühmten Rosetten (ausserdem im Norden  
                     und im Süden) und mit dem dreiteiligen Königsportal;links der Nordturm 
                     aus dem 16. Jahrhundert

                      

                     Rosette an der Westfassade (aus dem vollen Sandstein gehauen)


     

     Tympanon überm linken Tor am Königsportal mit Christus in einer Wolke, die von 
     zwei Engeln gehalten wird. Über dem Türsturz schweben vier Engel abwärts den 
     Aposteln entgegen, als ob sie zu Ihnen sprächen: "Ihr Männer von Galiläa, warum
     steht ihr und schaut zum Himmel hinauf? Dieser Jesus, der aus eurer Mitte in den
     Himmel aufgefahren ist, wird wieder kommen, wie ihr ihn habt auffahren sehen." 
                                                   (Apostelgeschichte 1, 10 - 11)

        

                                                 Ausschnitt aus der Westfassade

"Die Breite das Kirchenrauems, einschließlich der Seitenschiffe - also von Mauer zu Mauer grechnet - ist gleich der Diagonale der quadratischen Tafel. Die Länge der Kirche ergibt sich aus der Anordnung der Tafeln."
                                  
Die drei Tafeln tragen den Gral.(keltisches Wort und steht für die Schale,die nach der Sage von der Tafelrunde, die beim Abendmal Christi als Trinkgefäß gedient hat, in welchem Joseph von Arimathia hernach das Blut des Gekreuzigten aufgefangen hat). Die drei Tafeln stehen beim Quadrat für die Weisheit, beim Dreieck für die Tugend und  beim Rechteck für die Unsterblichkeit.

                                      
    

                                       Archivolten-Detail am Königsportal


                   


Das Labyrinth auf dem Fußboden stellt den einen Weg dar, der nach vielen Umwegen und Kehren schließlich ins Zentrum führt. Wer als Pilger auf dem Labyrinth nach "Jerusalem" gereist war, durfte sich nun der quadratischen Tafel zuwenden.
      

                                    Labyrinth auf dem Fußboden des Hauptschiffes


                           

                                                                  Nordfassade


                      

                                                  Fenster an der Nordfassade


                          

                              Nordfenster (die damalige Glaskunst ist unerreicht)


Die Akustik in diesem großen Bauwerk ist überwältigend. Das hat wohl seinen Grund in der baulichen Konstruktion:
                        
Die Maße wurden beim Bau der Kathedrale in Ellen gemessen. Die "Elle von Chartres" = 0.738 m und entspricht dem Hunderttausendstel der geografischen Breite von Chartres. Die Hypothenusen der unten abgbildeten Dreiecke entsprechen 48 (Terz), 60 (Quinte), 70, 80 (Oktave) und 108 Halbellen.
                            
Im Chor beträgt die Höhe der Kapitelle 9,79 m; sie korrespondiert (über die Hypothenuse des Rechtecks) mit der Terz, Die Höhe des Gesimses unter dem Triforium besträgt 16,5 m; sie korrespondiert mit der Quinte. Die Höhe der Kapitelle am Gewölbeansatz beträgt 25,56 m; sie korrespondiert mit der Oktave.
 
     

                            am Nordportal stehen die Propheten Jeremias, Jesaias und 
                 Johannes, der Täufer (2. von rechts), sowie Petrus und Melchisedech


      

                           Strebepfeiler und Strebebogen auf der Nordseite


                        

                               Notre Dame mit geschlossenen Augen in der Krypta


Im Nachwort zur deutschen Ausgabe des Buches (1972) von Charpentier steht:
"Eine besondere Überraschung bot der Besuch von Sours, jener ehemaligen Templerkompturei 10 km südöstlich von Chartres".
Vom Kellergewölbe des dortigen Turmes aus gibt es einen unterirdischen Gang nach Chartres. Es ist anzunehmen, daß derTemplerorden mit seinem großen Vermögen auch diese Kathedrale finanziert hat, bevor die führenden Templerritter Frakreichs 1307 in einer Nacht- und Nebelaktion allesamt vom König Philipp IV gefangen genommen und hingerichet wurden. Sie waren dem König wohl zu mächtig geworden.
1312 schließlich hat dann der Pabst Klemens V den gesamten Templerorden aufgelöst.



                        

                                               Schilder an der Pilgerunterkunft in Chartres


Wir waren an diesem Tag zwischen Weihnachten und Neujahr keine Pilger und fuhren abends wieder nach Paris zurück. Dieses Erlebnis hat unsere Sehnsucht nach dem Pilgern auf dem Jakobsweg wieder von neuem geweckt.





                                           

[ Besucher-Statistiken *beta* ]